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Betriebliches Wissensmanagement

Information und Wissen sind zu einem zentralen Wettbewerbsfaktor in der heutigen Wirtschaftswelt geworden. Unter dem Begriff Wissensmanagement (WM) werden Massnahmen zusammengefasst, die vom externen Einkauf von Expertise über Benchmarking, Qualitätsmanagement, Organisations- und Personalentwicklung bis zur Nutzung von IuK-Technologien in der innerbetrieblichen Organisation reichen.

Dass Wissen als Produktivkraft entdeckt wird, hat unterschiedliche Gründe. So ist einerseits ein rasanter Strukturwandel zu verzeichnen, der traditionelle, früher selbstverständliche Formen der Weitergabe von Wissen durch verminderten persönlichen Kontakt erschwert, andererseits die ständig steigende wirtschaftliche Bedeutung von Wissen. Zum dritten hängt die Konjunktur mit den neuen I & K-vermittelten Möglichkeiten der Wissensspeicherung, -aufbereitung und -vermittlung zusammen, deren Erwerb und sichere Beherrschung für immer mehr Mitarbeiter im Unternehmen und für die Unternehmen selbst erfolgsentscheidend werden.

Auf dem Markt ist Reaktionsschnelligkeit gefragt. Innovationen dürfen nicht lange auf sich warten lassen. Gleichzeitig sehen sich Führungskräfte mit einer komplexer werdenden Umwelt konfrontiert. Eine Vielzahl von Faktoren muß bei Entscheidungen berücksichtigt werden. Unternehmen müssen die Fähigkeit entwickeln, auf sich verändernde Rahmenbedingungen schnell und wissensgeleitet zu reagieren. Eine enge Wechselwirkung von Innovationsdynamik und Knowledge-Management.

Der zunehmende Innovationsdruck ist eine Motivation für ein betriebliches Wissensmanagement, die Herausforderungen der Informationstechnologie sind eine weitere. Die Zunahme an Daten und Informationen durch die Informations- und Kommunikationstechnologie konfrontiert das Management mit dem Problem, alle relevanten Informationen zügig aus dem "Datensmog" herausfiltern zu können.

Die Situation ist paradox: einerseits werden Führungskräfte von Informationen geradezu "überflutet", andererseits wird beklagt, nicht die richtigen Informationen zur richtigen Zeit zu erhalten. Man kann in diesem Zusammenhang von einem "Technologiedruck" durch die IT-Entwicklung einerseits und einem "Bedarfssog" durch die gestiegenen Informationsbedürfnisse des Managements andererseits sprechen.

Die Entwicklung der Computertechnologie spielt zweifelsohne eine wichtige Rolle für die gestiegene Aufmerksamkeit rund um das Thema Wissen. Knowledge-Management allerdings nur als "by-product of computing's culture and capability" aufzufassen, ist unbefriedigend. Die Forderung nach einem systematischen Wissensmanagement schließt die Forderung nach der Entwicklung einer Methodologie mit ein. Die Konzentration auf technische Lösungen lenkt davon ab, dass ein qualitativ gutes Wissensmanagement auf einer soliden Basis aus methodologischen Prinzipien und effektiven Methoden stehen muß. Die besondere Bedeutung der Qualität nicht-numerischer Informationen ergibt sich hierbei aus folgenden Gesichtspunkten:

  • Die IuK-Technologie und die Meß- und Fehlertheorie liefern für numerische Informationen und "harte Daten" vielfältige automatisierte Verfahren der Qualitätssicherung. Weitgehend ungelöst ist dagegen die Qualitätssicherung beim Umgang mit "weichen Daten" (alltagssprachliche Informationen und Bildmaterial)
  • Schätzungsweise 80 Prozent des gespeicherten Wissens liegt in Form "freier Texte" vor.
  • Auch das zur Interpretation von "harten Daten" (Zahlen und Fakten) und zu ihrer Anwendung in der Praxis erforderliche Kontextwissen ist gewöhnlich alltagssprachlich (gelegentlich auch bildlich) kodiert. (Hier geht es z.B. um das viel beschworene Erfahrungswissen der Praktiker.)
  • Das zunehmend bedeutsamer werdende Problem der Informationsüberflutung führt zum Paradox, dass gleichzeitig zu viele Informationen vorliegen und die erforderlichen Informationen fehlen
  • Informelle Netzwerke sind für den Wissenstransfer von entscheidender Bedeutung. Es besteht die Notwendigkeit, diese kommunikative Form der Wissensgewinnung und des Wissenstransfers systematischer für alle Unternehmensmitglieder zu nutzen .
  • Tendenz der Unternehmensorganisation nach "Projekten": Erfahrungstransfer/Wissenssicherung wird zum Thema (z.B. mittels "Practice Networks").
  • Eine zentrale Komponente des Managements besteht in der Komplexitätsbewältigung.
  • Auf allen Ebenen der strategischen und taktischen Projektplanung und des Projektmanagements geht es neben technischen bzw. Sachproblemen um die Interessen, Werthaltungen, Argumente, sozialen Beziehungen und gegebenenfalls Konflikte unterschiedlicher organisationsinterner und externer Akteure - seien es nun Einzelpersonen, Arbeitsgruppen, Abteilungen oder Organisationen.
  • Für das Verständnis von Organisationskulturen, für Prozesse der Organisationsentwicklung und des Change Managements sind sprachliche Informationen - neben Zahlen- und Faktenwissen - unverzichtbar.
Organisationsentwicklung, Betriebsführung, Qualitätsmanagement, Wirtschaftsinformatik, Controlling und Rechnungswesen gehören zu den gängigen Kontexten, in denen Wissensmanagement thematisiert wird. Auffallend ist das intensive Bemühen um Praxisbezug. Zum einen werden konkrete Projekte und Erfahrungen mit dem betrieblichen Wissensmanagement reflektiert und ausgewertet. Zum anderen wird auch in akademischen Ansätzen empirisch gearbeitet oder Material aus konkreten Anwendungsbeispielen aufgearbeitet.

Schließlich eröffnen die Möglichkeiten der Internetrecherche interessante weitere Quellen, um sich dem Thema Wissen zu nähern. Neben einer eher konventionellen Online-Recherche nach wissenschaftlichen Publikationen in verschiedenen Datenbanken und Bibliothekskatalogen lassen sich auch Suchmaschinen für Anfragen nutzen. Die Ergebnisse dort sind allerdings häufig deshalb unbefriedigend, da die Menge der Fundstellen nicht oder nur unzureichend nach Priorität o.ä. gewichtet aufgeführt sind.

Den Bedarf an einem systematischen betrieblichen Wissensmanagement belegen auch verschiedene Unternehmensstudien, zum Beispiel die Studie des Fraunhofer-Institutes für Arbeitswissenschaft und Organisation oder eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey zum Thema "Qualität des Informations-Managements". Beispielsweise halten nur 15 Prozent der Unternehmen die Nutzung des eigenen Wissens für gut bzw. sehr gut. Dabei schätzen immerhin 75 Prozent der befragten Unternehmen den Anteil des Faktors Wissen an der Wertschöpfung auf über 60 Prozent. Eine große Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit kommt zum Vorschein.

Die relativ geringe Umsetzungsquote von Wissensmanagement in Unternehmen liegt natürlich auch am komplizierten Gegenstand. Die McKinsey-Studie illustriert gut, welcher Aufwand getrieben wird, um nach den üblichen betriebswirtschaftlichen Maßstäben verallgemeinerbare Ergebnisse zu erlangen: 3.500 Datenpunkte wurden pro Unternehmen erhoben. Viele der Kennzahlen konnten jedoch lediglich als Näherungswerte gemeinsam mit dem Management entwickelt werden. Die Studie zeigt, dass bewährte betriebswirtschaftliche Werkzeuge nur mit einigem Aufwand für den Bereich Informationserfassung und -bewertung angewendet werden können.

In größeren Unternehmen wird auch mit neuen Methoden der Wissensentwicklung experimentiert. Szenariotechniken, Lernarenen, Think Tanks, Erfahrungsaustausch mit Künstlern oder Geisteswissenschaftlern sowie Lernlabore zählen dazu. Kleine und mittlere Unternehmen hingegen setzten verstärkt auf "klassische Kreativitätstechniken" bei der Wissensentwicklung wie Brainstorming, Morphologie, Brainwriting oder Analogie-Methoden. Auch in den anderen Bereichen der Untersuchung - Wissensnutzung, Bewahrung, Messung und Bewertung - zeigen sich ähnliche Tendenzen.

Allerdings kann dabei von einem systematischen Einsatz der Wissensmanagementinstrumente keine Rede sein.

Es bleibt festzuhalten, dass die Bereitschaft, nach geeigneten Instrumenten zum systematischen Umgang mit den quantitativen und qualitativen Informations- und Datenbeständen zu suchen, hoch ist. Eine Erprobung in der Praxis steht allerdings noch am Anfang.

Für den Wertschöpfungsprozess bzw. den "Lebenszyklus" der Wissensverarbeitung sind verschiedene Phasenmodelle vorgeschlagen worden. Ein differenziertes Modell liefern z.B. Probst, Raub und Romhardt, die acht "Bausteine" aufführen: Wissensziele, Identifikation von Wissensquellen, Wissensgenerierung, Wissensstrukturierung, Wissensspeicherung und Retrieval, Wissensverteilung, Wissensnutzung und Wissensbewertung.



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